Seit Jahren geht es immer wieder einmal um den Milchpreis. Ein Synonym für die Landwirtschaft. Dabei gehen Bauern auf die Barrikaden und protestieren gegen zu niedrige Milchpreise, die ihnen das Leben erschweren. Doch die Wahrheit ist wohl eher, das viele Bauern es versäumt haben, sich neu zu orientieren oder innovativer zu wirtschaften. Heute sind viele immer noch vom Milchpreis abhängig und können selbstständig kaum agieren. Doch ist der Milchpreis wirklich von großer Bedeutung oder zeigt der Protest der Landwirte am Ende nur, dass diese ein Relikt aus der alten Zeit sind und Landwirtschaft in der Zukunft anders aussehen muss als heute. Der Milchpreis als Beispiel ließe sich nahezu auf jedes landwirtschaftliche Produkt übertragen.
Die meisten Bauern sind heute regelrecht abhängig von Subventionen. Andere Unternehmen wären längst insolvent bzw. hätten ihr Geschäftsfeld erweitert. Bei vielen Landwirten wird aber immer noch so gewirtschaftet, wie vor Jahrzehnten. Der einzige Unterschied: Es werden heute moderne Maschinen eingesetzt. Alles andere ist gleich geblieben. Den Bauern wird ein erstaunliches Wohlwollen entgegengebracht, wovon andere Betriebe und der normale Steuerzahler nur träumen können. Doch ist das noch zeitgemäß?
Landwirtschaft muss umdenken
Viel Betriebe in der Landwirtschaft sind überholt und hätten –würden sie keine Subventionen erhalten- kein Berechtigungsdasein mehr. Nur wenige Bauern haben die Zeichen der Zeit erkannt und zeigen sich innovativer, haben ihren landwirtschaftlichen Betrieb zukunftsfähig gemacht. Landwirtschaft spielt politisch heute keine Rolle mehr, sie ist aber abhängiger denn je von den staatlichen Transferleistungen. Fast 50 Prozent der Einnahmen, welche der Landwirt erzielt, stammt aus den öffentlichen Kassen. Es zeigt, dass die Landwirtschaft endlich umdenken muss.
Auch steuerlich wird der Landwirt gegenüber anderen Betrieben bevorzugt. Die Durchschnittssätze, der bei den Landwirten angewandt wird, um so den pauschalen Gewinn zu ermitteln ist meistens recht niedrig und haben mit der Realität wenig gemein. Grundsätzlich können alle Bauern, deren selbstbewirtschaftete Fläche unter 20 Ha liegt, einen Durchschnittsatz nutzen, eine vereinfachte pauschalisierte Methode zur Gewinnermittlung. Kleine Betriebe sind damit von der Aufzeichnungs- und Buchführungspflicht befreit. In der Regel werden weitere Flächen, die besagt 20 Ha übersteigen, einfach auf Verwandte übertragen, um weiter nach dem Durchschnittsatz handeln zu können.
Bauern und die Umsatzsteuer
Auch bei der Umsatzsteuer werden Bauern bevorzugt. Für sie gilt weiterhin eine Sonderregelung. Sie können auf die Lieferungen und Leistungen einen besonderen Umsatzsteuersatz aufschlagen. Dieser liegt aktuell bei 10,7 Prozent. Eingenommene Steuer muss der landwirtschaftliche Betrieb aber nicht an das Finanzamt abführen. Damit soll pauschal die Vorsteuer abgeglichen werden. Bauern können nun entscheiden, ob sie die Sonderregelung in Anspruch nehmen oder eine reguläre Umsatzbesteuerung. Dabei verwundert es kaum, dass 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe die Sonderregelung nutzen. Immerhin kassieren sie mehr Umsatzsteuer, als das sie Vorsteuer gezahlt haben.
Bauern haben selbstständiges Wirtschaften verlernt
Legen wir alle Vorzüge zu Grunde, zeigt es sich, das fast kaum ein landwirtschaftlicher Betrieb heute alleine überleben könnte. Erstaunlicher Weise schaffen es aber einige findige Bauern, die sich schon früh innovativ zeigten, dass es auch ohne Subvention geht. Die meisten Landwirte sind dazu aber nicht in der Lage.
Böse Zungen sagen: Sie wollen es auch gar nicht, immerhin sind Subventionen und die Sonderregelungen so verlockend, das man davon mehr als gut leben kann.
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